Tomaten ausgeizen: welche Triebe weg müssen und wann
Beim Ausgeizen brichst du die Seitentriebe aus, die in der Achsel zwischen Haupttrieb und Blatt wachsen. Das brauchen Stabtomaten, die an einem oder zwei Trieben in die Höhe gehen. Buschtomaten, Ampeltomaten und Wildtomaten lässt du buschig wachsen, denn sie tragen an ihren Seitentrieben. Solange die Geiztriebe 5 bis 7 Zentimeter lang sind, knipst du sie mit den Fingern ab.
Geiz heißen die Seitentriebe, die in der Achsel zwischen Haupttrieb und Blattstiel austreiben. Bleiben sie stehen, wachsen sie zu vollen Trieben mit eigenen Blättern und Blüten heran. An einer Stabtomate entsteht daraus ein Gewirr, das sich schlecht stützen lässt und wenig trägt.
Was braucht deine Tomate?
Wähl Wuchsform und Standort. Die Antwort zeigt dir, ob und wie du ausgeizt und wann die Spitze wegkommt. Im Schaubild siehst du, welcher Trieb der Geiz ist.
Ausgeizen: ja. Zieh sie an einem Trieb.
- Ausgeizen
- ja, den ganzen Sommer
- Triebe
- einer. So reifen die ersten Früchte früher.
- Wie oft
- Bei jedem Gießen nachsehen und Geize abknipsen, solange sie 5 bis 7 cm lang sind. Dicke Geize mit einer sauberen Schere schneiden.
- Gipfeln
- Nach vier Blütenständen, zwei Blätter über dem obersten. Spätestens rund einen Monat vor dem ersten Frost.
- Untere Blätter
- Blätter bis zum ersten Fruchtstand abnehmen, damit Spritzwasser keine Pilzsporen hochträgt.
Platz für jede Wuchsform
Stabtomaten brauchen wenig Grundfläche, Wildtomaten mehr als zwei Quadratmeter. Im Beetplaner legst du fest, wo welche Tomate steht und was daneben wächst.
Beet planenFlecken auf den Blättern?
Lad ein Foto hoch. Der Pflanzendoktor erkennt, ob es Braunfäule ist, und sagt dir, welche Blätter wegkommen.
Foto hochladenJungpflanzen aus Gärtnereien
Stab-, Busch- und Wildtomaten als kräftige Jungpflanzen, gezogen von Gärtnereien in deiner Region.
Muster: Pflanzen aus dem NetzWelche Tomaten du ausgeizt und welche nicht

Wie du schneidest, hängt an der Wuchsform. Stabtomaten, im Englischen „indeterminate“, wachsen an der Spitze weiter und bilden die ganze Saison neue Blätter, Blüten und Früchte. Sie brauchen hohe Stützen und regelmäßiges Anbinden. Unter den Stabtomaten findest du Salat-, Fleisch-, Kirsch- und Cocktailtomaten.
Buschtomaten schließen jeden Trieb mit einem Blütenstand ab. Danach hört er auf zu wachsen, die Pflanze bleibt kompakt und reift ihre Früchte in einem kurzen Zeitraum von drei bis fünf Wochen. Ampeltomaten sind Buschtomaten, deren Triebe über den Topfrand hängen. Wildtomaten verzweigen sich stark und setzen den ganzen Sommer neue Früchte an.
| Wuchsform | Ausgeizen | Triebe | Spitze kappen |
|---|---|---|---|
| Stabtomate | ja, regelmäßig | einer, im Gewächshaus ein bis zwei | ja |
| Cocktail- und Kirschtomate am Stab | ja | zwei bis drei | ja |
| Buschtomate | nein | alle bleiben | nein |
| Ampel- und Balkontomate | nein | alle bleiben | nein |
| Wildtomate | nur bei üppigem Wuchs ganze Triebe | frei wachsend | nein |
Buschtomaten auszugeizen kostet dich Ernte. Biegen sich ihre Triebe unter schweren Fruchtständen, steckst du kurze Stäbe dazu und bindest die Triebe locker an. Sie passen in Balkonkästen und kleinere Töpfe.
Wann du Tomaten ausgeizt
Fang an, sobald die Pflanze im Beet steht, und schau bei jedem Gießen nach neuen Geizen. Junge Triebe von 5 bis 7 Zentimetern lassen sich leicht ausbrechen. Länger als 10 Zentimeter sollten sie nicht werden, denn große Geize kosten die Pflanze Kraft und hinterlassen größere Wunden, durch die Krankheiten eindringen.
- Such die Achsel, in der ein Blattstiel am Haupttrieb ansetzt. Der kleine Trieb, der genau dort nach oben wächst, ist der Geiz.
- Fass ihn zwischen Daumen und Zeigefinger und knick ihn zur Seite ab. Junge Geize lassen sich mit den Fingernägeln abknipsen.
- Ist ein Geiz schon dick geworden, schneidest du ihn mit einer sauberen Schere ab. Beim Ausreißen großer Triebe verletzt du leicht den Haupttrieb.
- Lass Blätter und Blütenstände stehen. Du nimmst nur den Trieb aus der Achsel.
Geiz oder Blütenstand?
Der Geiz wächst aus der Achsel über einem Blatt. Blütenstände lässt du stehen, an ihnen wachsen die Tomaten. Das Schaubild im Werkzeug zeigt dir beides an einer Pflanze.
Mit einem oder zwei Trieben ziehen
Eine Stabtomate an einem einzigen Trieb bringt ihre ersten Früchte früher. Pflanzen mit mehreren Trieben tragen insgesamt mehr und beschatten ihre Früchte besser. Für Fleischtomaten im Freiland, wo der Sommer begrenzt ist, lohnt sich der eine Trieb. Im Gewächshaus und bei Cocktail- und Kirschtomaten darf es ein zweiter sein.
Für den zweiten Trieb lässt du den Geiz stehen, der direkt unter dem ersten Blütenstand wächst. Wer drei Triebe will, behält zusätzlich einen Geiz darunter. An jedem dieser Triebe geizt du danach genauso aus wie am Haupttrieb. Jeder Trieb bekommt einen eigenen Stab oder eine Schnur, die oben festgemacht ist.
Im Topf bleibt es bei einem oder höchstens zwei Trieben. Stabtomaten wachsen den ganzen Sommer weiter und lassen sich im Gefäß nur schwer bändigen, Kirschtomaten im Topf brauchen den Schnitt. Nimm für eine Pflanze ein Gefäß mit mindestens 10 Litern und rund 30 Zentimetern Durchmesser, besser 15 Liter. Wie du die Pflanze im Topf ernährst, steht im Artikel Tomaten düngen.
Gipfeln: wann die Spitze wegkommt

Gipfeln oder Entspitzen heißt, die Spitze des Haupttriebs abzuschneiden. Danach bildet die Pflanze keine neuen Blüten mehr und steckt ihre Kraft in die Früchte, die schon hängen. Draußen reifen bei uns meist fünf bis sechs Fruchtstände aus.
Kappe die Spitze zwei Blätter über dem obersten Blütenstand. Das tust du, wenn die Pflanze oben an ihrer Stütze ankommt oder im Freiland vier, im Gewächshaus sieben Blütenstände angesetzt hat. Spätestens rund einen Monat vor dem ersten Frost, den du an deinem Ort erwartest, kommen alle Spitzen weg. Was danach noch blüht, hat bis zum Herbst keine Zeit mehr zum Reifen. Überzählige Blütenstände brichst du deshalb aus. Wie du Früchte, die grün bleiben, noch rot bekommst, steht im Artikel Meine Tomaten werden nicht rot.
Buschtomaten gipfelst du nicht, sie stoppen von selbst. Wildtomaten und andere Freilandsorten, die frei wachsen dürfen, bleiben ungekappt.
Untere Blätter entfernen gegen Braunfäule
Neben den Geizen nimmst du die bodennahen Blätter bis zum ersten Fruchtstand ab. Sonst spritzt Regen Erde und Pilzsporen vom Boden auf das Laub. Die untersten 15 bis 30 Zentimeter Stamm bleiben so frei. Mehr Luft zwischen den Trieben beugt Krankheiten vor.
Gegen die Kraut- und Braunfäule helfen weite Pflanzabstände für Sonne und Luft und möglichst viel Abstand zu Kartoffeln. Befallene Blätter und Früchte kommen sofort weg, dann kann die Pflanze die Fäule überwachsen. Wildtomaten wie „Rote Murmel“ und „Golden Currant“ halten einer Infektion lange stand. Alles Weitere zur Krankheit steht im Artikel Braunfäule an Tomaten, und welche Pflanzen neben Tomaten gedeihen, im Artikel Tomaten-Nachbarn.
Aus Geiztrieben neue Pflanzen ziehen

Ausgebrochene Geize musst du nicht wegwerfen. Tomaten lassen sich über Stecklinge vermehren, und die Geiztriebe eignen sich dafür. So bekommst du von einer Lieblingssorte weitere Pflanzen. Wie du Tomaten von Anfang an selbst ziehst, steht im Artikel Tomaten selbst ziehen, und alles zur Pflanze selbst im Lexikon unter Tomate.
Woher wir das wissen
Grundlage sind Merkblätter von Gartenakademien, Gartenbauverbänden und Universitäten. Der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege beschreibt den Tomatenanbau im Hausgarten für bayerische Verhältnisse. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau gibt Gefäßgrößen für Balkongemüse an. Die Royal Horticultural Society nennt in ihrem Anbauführer, nach wie vielen Blütenständen gegipfelt wird.
Die Größe, bei der ein Geiz wegkommt, und den Aufbau mehrtriebiger Pflanzen beschreiben die Cornell University, die North Carolina State University und die University of Vermont. Den Vergleich zwischen einem und mehreren Trieben liefert die University of California. Zu Wildtomaten und zum Freilandanbau stützen wir uns auf das Projekt zur ökologischen Tomatenzüchtung für das Freiland an der Universität Göttingen und einen Beitrag von Bernd Horneburg und L. Watschong.
So entscheidet das Werkzeug
Das Werkzeug ordnet Wuchsform und Standort den Empfehlungen dieser Stellen zu. Beim Gipfeln rechnet es mit vier Blütenständen draußen und sieben im Gewächshaus. Unter bayerischen Verhältnissen reifen draußen fünf bis sechs Fruchtstände aus, mit vier bist du auf der sicheren Seite.
Häufige Fragen zum Ausgeizen
Welche Tomaten muss ich nicht ausgeizen?
Buschtomaten, Ampel- und Balkontomaten sowie Wildtomaten. Buschtomaten tragen an ihren Seitentrieben, Ausgeizen kostet bei ihnen Ernte. Wildtomaten lichtest du nur, wenn sie zu üppig wachsen, und nimmst dann ganze Triebe heraus.
Wann sollte ich Tomaten ausgeizen?
Ab dem Pflanzen regelmäßig, am besten bei jedem Gießen. Ideal sind Geize von 5 bis 7 Zentimetern. Länger als 10 Zentimeter sollten sie nicht werden.
Muss ich Buschtomaten ausgeizen?
Nein. Jeder Trieb einer Buschtomate endet in einem Blütenstand, die Seitentriebe tragen die Ernte. Entferne nur die unteren Blätter und alles, was den Boden berührt.
Was passiert, wenn ich Stabtomaten nicht ausgeize?
Die Geize wachsen zu vollen Trieben heran. Es entsteht ein Gewirr, das sich schlecht stützen lässt und wenig trägt.
Wann werden Tomaten entspitzt?
Im Freiland nach vier Blütenständen, im Gewächshaus nach sieben oder wenn die Pflanze oben an der Stütze ankommt. Du schneidest zwei Blätter über dem obersten Blütenstand. Spätestens einen Monat vor dem ersten Frost kommen alle Spitzen weg.
Kann ich Cocktailtomaten mit zwei Trieben ziehen?
Ja. Lass den Geiz direkt unter dem ersten Blütenstand als zweiten Trieb stehen. Mehrere Triebe tragen insgesamt mehr, die erste Ernte kommt etwas später.
Kann ich Geiztriebe einpflanzen?
Ja, Geiztriebe eignen sich als Stecklinge. So bekommst du von einer Lieblingssorte weitere Pflanzen.
Quellen
- Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V.: Tomatenanbau im Hausgarten. Reihe „Die bayerischen Obst- und Gartenbauvereine informieren“, München 2007. mv.gartenbauvereine.org/wp-content/uploads/2020/05/Tomatenan…
- Royal Horticultural Society: How to grow tomatoes. RHS Growing Guides. www.rhs.org.uk/Advice/Profile?PID=315
- Reiners, Steve (Cornell University, Horticulture Section): Training Tomatoes. 12. Juni 2020. cals.cornell.edu/school-integrative-plant-science/school-sec…
- Troth, Ashley (North Carolina State University Extension, Durham County Center): Pruning for Healthier, More Productive Tomatoes. 11. Juni 2020, aktualisiert 3. Dezember 2024. durham.ces.ncsu.edu/2020/06/pruning-for-healthier-more-produ…
- VanZandt, Nadie (University of Vermont Extension, Master Gardener): How to prune tomato plants. 3. August 2021. www.uvm.edu/extension/news/how-prune-tomato-plants
- UC Marin Master Gardeners (University of California Cooperative Extension): Tips for Growing Great Tomatoes. Nach UC IPM und UC ANR Publication 8159, Februar 2012. oc4h.ucanr.edu/sites/default/files/2025-03/Tips%20for%20Grow…
- Horneburg, Bernd; Watschong, L.: Wildtomaten – mehr als eine Spielerei? In: Saaten & Taten 2005/2006, S. 94–96. Veröffentlicht von der Universität Göttingen. uni-goettingen.de/de/anbau+von+wildtomaten/141602.html
- Universität Göttingen und Dreschflegel e. V.: Tomaten im Freiland. Sortenempfehlung und Anbauanleitung. Projekt Ökologische Tomatenzüchtung für das Freiland. uni-goettingen.de/en/tomaten+im+freiland+-+sortenempfehlung+…
- Fulk, Randy; Gu, Sanjun (North Carolina A&T State University und North Carolina State University, Cooperative Extension): Growing Fruiting Vegetables in Containers: Tomato, Pepper and Eggplant. www.ncat.edu/caes/cooperative-extension/covid-19/files/growi…
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Bayerische Gartenakademie: Balkongemüse. Der Gemüsegarten auf kleinstem Raum. Merkblatt 2105, Februar 2016. www.lwg.bayern.de/mam/cms06/gartenakademie/dateien/2105-2016…
Tomaten, „Rouge naine hâtive“, „de Laye“ und Johannisbeertomate „Groseille“ aus Vilmorin-Andrieux, „Les plantes potagères“, Paris. Gemeinfrei, auf Petrol umgefärbt.
