Zum Inhalt springen
Garten-Wissen · AnzuchtAktualisiert am 25. Oktober 2026

Pflanzen pikieren: wann und wie tief du Sämlinge umsetzt

Pikieren heißt, Sämlinge aus der Saatschale einzeln in eigene Töpfe zu setzen. Das geht, sobald die Keimblätter voll entfaltet sind, und spätestens, wenn die ersten richtigen Blätter erscheinen. Bei Tomaten ist das meist rund drei Wochen nach der Aussaat. Wie tief der Sämling danach sitzt und wie warm er steht, hängt von der Art ab. Tomaten kommen tiefer in die Erde, Paprika und Salat bleiben auf ihrer alten Höhe.

Kohlrabi „blanc“, Stich aus Vilmorin-Andrieux, „Les plantes potagères“, 1904. Gemeinfrei.
Was pikieren bedeutet

Pikieren heißt vereinzeln. Die ersten beiden Blätter eines Sämlings sind die Keimblätter, danach wachsen die ersten richtigen Blätter. Gärtnereien pikieren schon, wenn die Keimblätter voll entwickelt sind. Im Hausgarten gilt als Faustregel der Moment, in dem die ersten richtigen Blätter kommen.

Pikier-Helfer

Wann pikierst du?

Wähl deine Kultur und sag, wie weit deine Sämlinge sind. Der Helfer zeigt dir, ob es so weit ist, welcher Topf passt, wie tief du setzt und wie warm die Pflanzen danach stehen. Jede Angabe trägt ihre Quelle.

Was hast du gesät?
Wie weit sind deine Sämlinge?
Dein Pikier-Plan

Tomate: pikieren, sobald die Keimblätter offen sind

Jetzt ist der klassische Zeitpunkt. Nach den Keimblättern sind die ersten richtigen Blätter da.

Wann
Sobald die Keimblätter voll entfaltet sind, etwa zwei Wochen nach dem Auflaufen. Spätestens mit den ersten richtigen Blättern, meist rund drei Wochen nach der Aussaat.
Topf
Einzeltopf mit acht bis zehn Zentimetern Durchmesser.
Tiefe
Tiefer als vorher, bis knapp unter die Keimblätter. Tomaten bilden am Stängel neue Wurzeln.
Danach
Hell bei 16 bis 18 °C.

Tipp

Wird eine Tomate bis zum Pflanztermin zu lang, setzt du sie im Beet tiefer. Sie wurzelt am Stängel nach.

Im Gartenplaner

Erinnerung am Pikiertag

Übernimm deine Aussaaten in den Gartenplaner. Er meldet sich, wenn pikiert, abgehärtet und gepflanzt wird.

Zum Gartenplaner
Im Pflanzendoktor

Sämlinge sehen schlapp aus?

Lad ein Foto hoch. Der Pflanzendoktor zeigt dir, ob Licht, Wasser oder ein Schädling dahintersteckt.

Foto hochladen
Keine Fensterbank frei?

Jungpflanzen aus Gärtnereien in deiner Nähe

Pikierte, kräftige Pflanzen zum richtigen Termin, gezogen von Gärtnereien in deiner Region.

Muster: Anschluss ans Gärtnerei-Netz
Der richtige Moment

Vom Keimblatt zum ersten richtigen Blatt

Gärtnereien pikieren Tomaten, Paprika und Auberginen etwa zwei Wochen nach dem Auflaufen, sobald die Keimblätter voll entwickelt sind. Gurken kommen schon drei bis fünf Tage nach dem Auflaufen dran. Im Hausgarten wartest du meist, bis nach den Keimblättern die ersten beiden richtigen Blätter erscheinen. Beides klappt, solange sich die Keimblätter greifen lassen. Daran hältst du den Sämling beim Umsetzen.

Seitlich wischen, um alle Stadien zu sehen.

Stadien eines Sämlings: Keimblätter noch geschlossen, Keimblätter offen und ab hier pikieren, erste richtige Blätter und spätestens jetzt pikieren, Blätter berühren sich und umtopfen oder rückenZEIT ZUM PIKIERENKeimblätternoch geschlossenKeimblätter offenab hier pikierenerste richtige Blätterspätestens jetztBlätter berühren sichumtopfen oder rücken
Zeitpunkte nach FiBL und Arche Noah, Umtopfen nach Utah State University. Zeichnung nicht maßstäblich.
Pikieren oder gleich in Töpfe?

Pikieren oder gleich in Töpfe säen

Stich einer Sellerieknolle mit dichtem Laub und feinen Wurzeln
Knollensellerie „de Paris“, Vilmorin-Andrieux 1904.

Gärtnereien wägen beide Wege gegeneinander ab. Wer pikiert, bekommt kräftige, dicht bewurzelte Jungpflanzen und sortiert schwache Sämlinge aus. Wer direkt in Töpfe sät, spart sich die Arbeit, braucht dafür von Anfang an mehr Platz.

WegSpricht dafürSpricht dagegen
Pikierenkräftige, dicht bewurzelte Pflanzen; Keimen auf kleiner, warmer Fläche; schwache Sämlinge fliegen raus; normales Saatgut reichtmehr Arbeit, die Anzucht dauert etwas länger
Gleich in Töpfewenig Arbeitviel Platz ab dem ersten Tag; leere Töpfe, wenn ein Korn nicht keimt

Auf der Fensterbank spart Pikieren Platz an der wärmsten Stelle. Paprika keimt bei 25 °C in einer kleinen Schale und wächst nach dem Pikieren bei 18 bis 20 °C in Töpfen weiter. Sellerie pikieren selbst Profis, weil er so lange in der Anzucht steht. Gurken, Kürbis und Zucchini säst du besser gleich in Einzeltöpfe, mehr dazu weiter unten.

So gehst du vor

Am Keimblatt anfassen

Gieß die Saatschale vorher an und feuchte die Erde im neuen Topf an. Heb den Sämling mit einem Pikierstab, Bleistift oder Etikett heraus. Fass ihn dabei an einem Keimblatt an und nie am Stängel.

Nimm zuerst die kräftigen Sämlinge mit weißen Wurzeln. Sämlinge mit langen, dünnen Wurzeln sortierst du aus, zu lange Wurzeln kürzt du auf zwei bis drei Zentimeter. Die einzelnen Schritte mit Bildern stehen im Artikel Anzucht leicht gemacht.

Wie tief

Wie tief du pikierst

Stich einer Tomatenpflanze mit Früchten, daneben eine einzelne gerippte Tomate
Tomate „Rouge grosse hâtive“, Vilmorin-Andrieux 1904.

Als Grundregel reicht die Erde bis knapp unter die Keimblätter. Tomaten setzt du tiefer als vorher. Sie bilden am Stängel neue Wurzeln, in der Fachsprache Adventivwurzeln. Paprika, Chili und Auberginen setzt du so tief, wie sie in der Saatschale standen. Salat und Sellerie bleiben flach. Zu tief gesetzt, fault Salat leichter, und Sellerie bildet keine schönen Knollen.

KulturWie tiefWarum
Tomatebis knapp unter die Keimblätter, tiefer als vorherwurzelt am Stängel nach
Paprika, Chili, Aubergineso tief wie in der SaatschaleStängel nicht tiefer eingraben
Kohl, Kohlrabibis knapp unter die KeimblätterGrundregel
Basilikumbis knapp unter die Keimblätterwird tief gepflanzt
Salatflach, nicht tiefer als vorhersitzt er zu tief, fault er
Sellerienur bis zum Wurzelhalssonst keine schönen Knollen
Gurke, Kürbis, Zucchinimit ganzem Ballen umsetzenWurzeln ungestört lassen
Erde und Töpfe

Worin pikierte Sämlinge wachsen

Nach dem Pikieren brauchen Sämlinge mehr Platz und mehr Nährstoffe als in der feinen Aussaaterde. Bio-Tomatenerde passt, oder du mischst je ein Drittel reifen Kompost, feinen Sand und feinkrümelige Gartenerde. Dünge sparsam, die Jungpflanzen sollen langsam und kräftig wachsen. Jeder Topf braucht Löcher im Boden und muss sauber sein, damit keine Krankheiten und Schädlinge mitwandern.

8–10 cmTopf für Tomate, Paprika und Gurke
7–10 cmProfi-Topf für Auberginen und anderes Fruchtgemüse
5 × 5 cmErdtopf für Salat und Kohl im Frühjahr
2–3Basilikum-Pflänzchen zusammen in einem Topf

Topfbasilikum aus dem Laden teilen

Kauf Topfbasilikum, solange es klein ist, und teil es in Grüppchen von zwei bis drei Pflanzen auf neue Töpfe auf. Lange Triebe kürzt du dabei bis auf zwei bis drei Blattpaare ein.

Nach dem Pikieren

Hell und etwas kühler

Stich eines geschlossenen Salatkopfs auf dem Beet
Kopfsalat „blonde de Berlin“, Vilmorin-Andrieux 1904.

Stell die Töpfe gleich wieder an ihren hellen Platz. Fehlt Licht oder ist es nach dem Pikieren zu warm, werden die Jungpflanzen bleich, dünn und weich. Im Beet werden solche Pflanzen leichter krank und brauchen länger, bis sie Fuß fassen.

18–20 °CPaprika und Gurke
16–18 °CTomate
14–16 °CKohl, Kohlrabi, Sellerie, nie kühler
8–12 °CKopfsalat

Kohl, Kohlrabi und Sellerie brauchen nach dem Pikieren mindestens 14 bis 16 °C. Stehen sie kühler, schießen sie später, sie bilden also vorzeitig Blütenstände.

Gieß die Erde und lass die Blätter trocken. Sobald sich die Blätter benachbarter Töpfe berühren, rückst du die Töpfe auseinander oder setzt die Pflanzen in größere Töpfe. Schwirren kleine schwarze Mücken über der Erde, hilft der Artikel Trauermücken loswerden.

Bevor die Pflanzen ins Beet ziehen, gewöhnst du sie an Sonne, Wind und kühle Nächte. Den Plan Tag für Tag findest du im Artikel Jungpflanzen abhärten.

Gurke, Kürbis, Zucchini

Kürbisgewächse lieber gleich in Einzeltöpfe

Stich einer langen Gurke mit Blättern und Ranke, davor eine halbierte Gurke
Gurke, Stich aus Vilmorin-Andrieux, „Les plantes potagères“. Gemeinfrei.

Gurken, Kürbis und Zucchini mögen es nicht, wenn ihre Wurzeln gestört werden. Leg deshalb zwei Samen in jeden Topf und lass den kräftigeren stehen, sobald die Pflänzchen etwa fünf Zentimeter hoch sind. Nach zwei bis drei Wochen haben sie zwei richtige Blätter und sind bereit fürs Beet. Gurken fürs Gewächshaus oder Frühbeet säst du erst Ende April, in Töpfe mit acht bis zehn Zentimetern Durchmesser.

Pikierst du Gurken trotzdem, tu es früh. Gärtnereien pikieren sie drei bis fünf Tage nach dem Auflaufen. Beim Pflanzen setzt du den ganzen Ballen ein, ohne die Wurzeln aufzureißen.

Woher wir das wissen

Woher wir das wissen

Grundlage sind Merkblätter von Fachstellen. Die Bayerische Gartenakademie in Veitshöchheim nennt für die wichtigsten Gemüsearten Topfgrößen und Temperaturen nach dem Pikieren. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) beschreibt, wann Gärtnereien pikieren und wie sie Jungpflanzen anziehen. Die Handgriffe stammen aus dem Infoblatt von Arche Noah und von der Royal Horticultural Society.

Die Pflanztiefe von Tomaten belegt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, die von Paprika und Auberginen die University of Wisconsin. Für Salat und Sellerie stützen wir uns auf „Natur im Garten“ und das Bundeszentrum für Landwirtschaft. Die Angaben zu Kürbisgewächsen stammen von den Beratungsdiensten der Purdue University und der University of Saskatchewan.

Keimblatt oder erstes richtiges Blatt?

Die Fachstellen setzen den Zeitpunkt unterschiedlich. Gärtnereien pikieren, sobald die Keimblätter voll entwickelt sind. Die Royal Horticultural Society nennt den Moment, in dem sich die Keimblätter greifen lassen. Arche Noah wartet bis zu den ersten beiden richtigen Blättern. Der Helfer nennt dir deshalb den frühesten und den spätesten Zeitpunkt.

So entscheidet der Helfer

Der Helfer ordnet jeder Kultur die Werte aus den Merkblättern zu. Beim Zeitpunkt für Kohl, Salat, Sellerie und Basilikum gilt die Grundregel von Arche Noah und der Royal Horticultural Society.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Pikieren

Wann muss ich Tomaten pikieren?

Sobald die Keimblätter voll entfaltet sind, etwa zwei Wochen nach dem Auflaufen. Spätestens, wenn die ersten richtigen Blätter da sind, meist rund drei Wochen nach der Aussaat. Setz sie in Töpfe mit acht bis zehn Zentimetern Durchmesser und stell sie bei 16 bis 18 °C hell auf.

Kann ich schon im Keimblattstadium pikieren?

Ja. Gärtnereien pikieren Tomaten, Paprika und Auberginen, sobald die Keimblätter voll entwickelt sind. Die Keimblätter müssen sich greifen lassen, denn daran fasst du den Sämling an.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Pikieren?

Wenn nach den Keimblättern die ersten beiden richtigen Blätter erscheinen. Berühren sich die Blätter der Nachbarn schon, ist es höchste Zeit.

Wie pikiere ich Paprika?

Pikier Paprika etwa zwei Wochen nach dem Auflaufen in Töpfe mit acht bis zehn Zentimetern Durchmesser. Setz die Sämlinge so tief, wie sie in der Saatschale standen, und stell sie bei 18 bis 20 °C auf.

Muss ich Tomaten beim Pikieren tiefer setzen?

Du kannst. Tomaten bilden am Stängel neue Wurzeln, deshalb dürfen sie bis knapp unter die Keimblätter in die Erde. Zu lang gewordene Jungpflanzen setzt du später im Beet ebenfalls tiefer.

Welche Pflanzen muss ich nicht pikieren?

Gurken, Kürbis und Zucchini säst du gleich in Einzeltöpfe, weil sie Störungen an den Wurzeln schlecht vertragen. Du legst zwei Samen in jeden Topf und lässt den kräftigeren stehen.

Warum werden meine pikierten Sämlinge lang und dünn?

Sie stehen zu dunkel oder nach dem Pikieren zu warm. Stell sie an den hellsten Platz und etwas kühler, Tomaten zum Beispiel bei 16 bis 18 °C.

Welche Erde nehme ich zum Pikieren?

Eine Erde mit etwas mehr Nährstoffen als die Aussaaterde. Bio-Tomatenerde passt, oder du mischst je ein Drittel reifen Kompost, feinen Sand und Gartenerde.

Weiterlesen
Quellen

Quellen

  1. Arche Noah, Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt: Infoblatt Pikieren. Aus dem Mitmach-Projekt „Vielfalt auftafeln“. www.arche-noah.at/media/infoblatt_pikieren.pdf
  2. Koller, Martin; Fritzsche-Martin, Andreas; Lichtenhahn, Martin; van den Berge, Paul: Biogemüsebau. Anzucht und Einsatz von Jungpflanzen. Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), 2. Auflage 2001. www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/1212-gemuesejungpflanz…
  3. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Bayerische Gartenakademie: Jungpflanzen – selbst anziehen oder kaufen? Merkblatt 2110, Stand Mai 2020. www.lwg.bayern.de/mam/cms06/gartenakademie/dateien/2110-2020…
  4. Royal Horticultural Society, School Gardening: How to prick out seedlings into modules. www.rhs.org.uk/education-learning/school-gardening/resources…
  5. Crump, Wesley; Beddes, Taun; Caron, Michael; Oliveira, Milena: Starting Vegetable Seeds Indoors IV. Seedling Culture and Transplanting. Utah State University Extension, Februar 2025. extension.usu.edu/yardandgarden/research/starting-vegetable-…
  6. Lindner, Ulrike (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen): Rund um die Tomate. Broschüre, Kapitel Jungpflanzenanzucht und Pflanzung. www.landwirtschaftskammer.de/verbraucher/service/gartenbau/t…
  7. Delahaut, K. A.; Newenhouse, A. C.: Growing tomatoes, peppers, and eggplants in Wisconsin. A guide for fresh-market growers. University of Wisconsin-Extension, Publikation A3687. barron.extension.wisc.edu/files/2023/02/Growing-Tomatoes-Pep…
  8. „Natur im Garten“ (Land Niederösterreich): Videotipp Salat nicht zu tief pflanzen. www.naturimgarten.at/gartenwissen/videotipps/tipp/salat-nich…
  9. Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Sellerie selbst im Garten anbauen. Gemüsesteckbrief, aktualisiert am 25. August 2025. www.landwirtschaft.de/garten/selbst-anbauen/gemuesesteckbrie…
  10. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Bayerische Gartenakademie: Basilikum – ein königliches Kraut. Merkblatt 2151, Mai 2020. www.lwg.bayern.de/mam/cms06/gartenakademie/dateien/2151-2020…
  11. Lerner, B. Rosie; Dana, Michael N.: Growing Cucumbers, Melons, Squash, Pumpkins and Gourds. Purdue University Cooperative Extension Service, HO-8-W, überarbeitet 4/2001. www.purdue.edu/hla/sites/yardandgarden/wp-content/uploads/si…
  12. University of Saskatchewan, Gardening at USask: Cucurbits. Vegetable Vine Crops. Grow with USask, 2025. gardening.usask.ca/documents/grow-with-us-pdfs/cucurbits_web…

Stiche aus Vilmorin-Andrieux, „Les plantes potagères“, Paris 1883 und 1904. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons und Internet Archive, auf Petrol umgefärbt.