Tomaten und Jungpflanzen abhärten: Tag für Tag nach draußen
Abhärten heißt, Jungpflanzen aus dem Haus Schritt für Schritt an Sonne und kühlere Nächte zu gewöhnen. Fang ein bis zwei Wochen vor dem Pflanztermin an, stell die Pflanzen erst für ein paar Stunden in den Schatten und gib ihnen jeden Tag mehr Sonne. Tomaten, Paprika und Gurken bleiben nachts drinnen, solange es draußen kälter als etwa 10 °C wird. Ohne diese Eingewöhnung bekommen die Blätter in der ersten Sonne leicht Sonnenbrand.
Im Haus wachsen Jungpflanzen weich und wasserreich. Draußen bilden sie nach und nach festeres Gewebe, das Sonne und Wind aushält. Pflanzen aus dem Gewächshaus kennen nur gefiltertes Licht und brauchen die Eingewöhnung genauso.
Dein Plan bis zum Pflanztag
Wähl deine Kultur, sag, wo die Pflanzen jetzt stehen, und stell deinen Pflanztag ein. Der Fahrplan zeigt dir Tag für Tag, wie lange die Pflanzen draußen bleiben, wann sie in die volle Sonne dürfen und ab welcher Nachttemperatur sie draußen schlafen.

Tomaten: 14 Tage, Start am 1. Mai
Tag für Tag
- Tag 1 bis 3 · 1. Mai bis 3. Mai
- Zwei bis vier Stunden draußen, im Schatten und windgeschützt. Der erste Tag am besten bei bedecktem Himmel.
- Nachts drinnen. An windigen Tagen oder unter 7 °C bleiben die Pflanzen ganz drinnen.
- 1. Mai2 Std. Schatten
- 2. Mai3 Std. Schatten
- 3. Mai4 Std. Schatten
- Tag 4 bis 7 · 4. Mai bis 7. Mai
- Jeden Tag eine Stunde länger draußen und jeden Tag mehr Sonne.
- Nachts weiter drinnen.
- 4. Mai5 Std., davon 1 in der Sonne
- 5. Mai6 Std., davon 2 in der Sonne
- 6. Mai7 Std., davon 4 in der Sonne
- 7. Mai8 Std., davon 6 in der Sonne
- Tag 8 bis 10 · 8. Mai bis 10. Mai
- Den ganzen Tag draußen, jetzt in der vollen Sonne.
- Nachts bleiben die Pflanzen draußen, wenn es nicht kälter als 10 °C wird. Sonst holst du sie rein. Fällt die Nacht unter 4 bis 7 °C, holst du sie auf jeden Fall rein.
- 8. Maiganzer Tag, volle Sonne
- 9. Maiganzer Tag, volle Sonne
- 10. Maiganzer Tag, volle Sonne
- Tag 11 bis 14 · 11. Mai bis 14. Mai
- Tag und Nacht draußen, wenn es nicht kälter als 10 °C wird.
- Gieß seltener, ohne die Pflanzen welken zu lassen, und dünge nicht mehr.
- Pflanztag · 15. Mai
- Pflanz am späten Nachmittag oder frühen Abend, wenn der Wind nachlässt.
- Zu lang gewordene Tomaten setzt du tiefer, sie wurzeln am Stängel nach.
Stunden im SchattenStunden in der Sonne
Der Plan meldet sich jeden Tag
Übernimm Kultur und Pflanztag in den Gartenplaner. Er erinnert dich ans Rausstellen, ans Reinholen und an kalte Nächte.
Zum GartenplanerHelle Flecken auf den Blättern?
Lad ein Foto hoch. Der Pflanzendoktor unterscheidet Sonnenbrand von Kälteschäden und Krankheiten.
Foto hochladenJungpflanzen aus Gärtnereien in deiner Nähe
Kräftige Pflanzen, die schon draußen standen, zum Pflanztag aus einer Gärtnerei in deiner Region.
Muster: Anschluss ans Gärtnerei-NetzWie lange du abhärtest

Die Empfehlungen reichen von ein bis zwei Wochen über mindestens zwei Wochen bis zu zwei bis drei Wochen. Je wärmer die Pflanzen vorher standen, desto länger dauert die Eingewöhnung. Pflanzen von der warmen Fensterbank kommen deshalb am besten erst in ein kühles Gewächshaus oder Frühbeet. Gemüsebetriebe lassen Tomaten, Paprika und Auberginen zehn Tage im Frühbeet abhärten.
Jungpflanzen, die vor Mitte Mai ins Freie kommen, härtest du in jedem Fall ab. Der Fahrplan oben rechnet mit 14 Tagen von der Fensterbank und mit zehn Tagen aus dem Gewächshaus oder Frühbeet.
Ab wie viel Grad Pflanzen draußen schlafen
Tomaten, Paprika, Zucchini und andere Wärmeliebende stellst du nicht hinaus, wenn es kälter als 7 bis 10 °C ist. Gurken dürfen über Nacht draußen bleiben, wenn es nicht unter 10 °C abkühlt. Droht die Nacht unter 4 bis 7 °C zu fallen, holst du Tomaten, Paprika und Auberginen rein. Frost vertragen sie nicht. Basilikum hört unter 10 °C auf zu wachsen, und schon leichter Frost schadet ihm.
Kohl, Kohlrabi und Salat halten mehr Kälte aus. Frost schadet selbst ihnen, solange sie nicht abgehärtet sind. Lange Kälte unter etwa 4 °C lässt Kohl und Kohlrabi vorzeitig schießen.
| Kultur | Nachts draußen ab | Ins Beet ab |
|---|---|---|
| Tomate | 10 °C | Mitte Mai |
| Paprika, Chili | 10 °C | Mitte Mai |
| Aubergine | 10 °C | etwas nach den Tomaten |
| Gurke | 10 °C | Mitte Mai |
| Zucchini, Kürbis | 10 °C | nach dem letzten Frost, Erde mindestens 16 °C |
| Basilikum | 10 °C | Mitte Mai |
| Kohl, Kohlrabi | 5 °C | Anfang bis Mitte April |
| Salat | frostfrei | Mitte bis Ende März |
Die Termine stammen aus Unterfranken. Endet der Frost bei dir später, rückt alles nach hinten. Warum gerade Mitte Mai als Grenze gilt, steht im Artikel Was hat es mit den Eisheiligen auf sich?
Sonnenbrand an Jungpflanzen erkennen

Sonnenbrand zeigt sich als papierartig weiße oder hellbraune Fläche auf dem Blatt. Betroffen sind nur die Stellen, die lange in der direkten Sonne lagen, das Gewebe daneben bleibt grün. An zarten Pflanzen verfärbt sich manchmal der Stängel hell.
Die Ursache ist das UV-Licht. Pflanzen, die unter Glas oder hinter dem Fenster aufgewachsen sind, kennen es kaum und verbrennen in der ersten vollen Sonne. Kälte und Wind hinterlassen ähnliche Spuren.
Was du bei Sonnenbrand tust
Verbrannte Blätter erholen sich nicht. Die Pflanze wächst mit neuen Blättern weiter. Gieß und dünge sie in dieser Zeit passend und achte darauf, ob sich in den hellen Flecken Pilze ansiedeln. Stell sie zurück in den Schatten und gewöhn sie langsamer an die Sonne.
Unsicher, ob es Sonnenbrand ist? Der Pflanzendoktor schaut sich ein Foto an.
Abhärten im Frühbeet oder unter Vlies
Im Frühbeet öffnest du den Deckel in der ersten Woche tagsüber einen Spalt und schließt ihn nachts. In den folgenden zwei Wochen hebst du ihn Stück für Stück weiter an, bis er vor dem Pflanzen ganz wegkommt.
Ohne Frühbeet hilft Vlies. Stell die Pflanzen in der ersten Woche tagsüber abgedeckt hinaus und hol sie nachts rein. In der zweiten Woche reicht eine Lage, gegen Ende der dritten bleiben sie unbedeckt. Vlies schützt vor starker Sonne und Kälte, schweres Vlies hält etwa 2 °C Frost ab. Nimm es eine Woche vor dem Pflanzen ab, damit die Pflanzen sich an das volle Licht gewöhnen.
Für den ersten Tag draußen eignet sich ein bedeckter Himmel. Die Pflanzen welken dann weniger. An windigen Tagen bleiben zarte Jungpflanzen drinnen.
Etwas trockener, ohne Dünger

Gieß in der Abhärtezeit seltener, damit die Pflanzen langsamer wachsen. Welken dürfen sie dabei nicht. Dünger lässt du in dieser Zeit weg. Gärtnereien härten frühe Sätze in der letzten Woche vor dem Pflanzen über trockenere Erde ab.
Wenn der Pflanztag sich verschiebt
Bleiben Pflanzen zu lange im Abhärten, stellen sie das Wachstum ein und brauchen im Beet länger, bis sie weiterwachsen. Blumenkohl bildet dann nur daumengroße Köpfe. Musst du das Pflanzen verschieben, bremst du das Wachstum mit weniger Wasser, weniger Dünger und kühlem Stand. Abrupte Temperaturwechsel meidest du dabei.
Der Tag fürs Beet

Empfindliche Pflanzen kommen erst ins Beet, wenn bei dir der letzte Frost vorbei ist. Pflanz am späten Nachmittag oder frühen Abend, wenn der Wind nachlässt, dann setzt die Mittagssonne den Pflanzen nicht zu. Folgen sonnige Tage, schützen Hütchen aus Zeitungspapier die ersten zwei bis drei Tage vor dem Welken.
Zu lang gewordene Tomaten setzt du tiefer, sie bilden am Stängel neue Wurzeln. Paprika und Auberginen kommen nicht tiefer in die Erde, als sie im Topf standen. Wie Sämlinge vorher in ihre Töpfe kommen, steht im Artikel Pflanzen pikieren.
Gekaufte Jungpflanzen
Jungpflanzen aus der Gärtnerei wachsen meist im Gewächshaus unter gefiltertem Licht auf. Direkt ins Beet gesetzt, bekommen sie leicht Sonnenbrand. Gib ihnen deshalb dieselbe Eingewöhnung.
Woher wir das wissen
Grundlage sind Merkblätter von Fachstellen und Beratungsdiensten. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) beschreibt, wie Gärtnereien Jungpflanzen abhärten. Dauer, Reihenfolge und Temperaturgrenzen stammen von den Beratungsdiensten der University of Maryland und der Utah State University sowie von der Royal Horticultural Society. Den Sonnenbrand an Jungpflanzen beschreibt Jerry Brust, Gemüsefachmann der University of Maryland.
Die Pflanztermine nennt die Bayerische Gartenakademie in Veitshöchheim bei Würzburg. Für Fruchtgemüse ergänzt die University of Wisconsin Abhärtezeit und Kältegrenzen, für Kürbisgewächse die Purdue University.
Wie kalt für Tomaten?
Die Grenzwerte liegen eng beieinander. Utah State nennt 7 bis 10 °C als Untergrenze für Wärmeliebende, Maryland 10 °C für Gurken über Nacht. Wisconsin holt Tomaten, Paprika und Auberginen ab 4 bis 7 °C ins Warme. Der Fahrplan lässt Wärmeliebende erst ab 10 °C über Nacht draußen.
So rechnet der Fahrplan
Die Fachstellen geben Dauer und Reihenfolge vor. Zuerst stehen die Pflanzen wenige Stunden im Schatten, dann bekommen sie jeden Tag mehr Zeit und mehr Sonne, zuletzt bleiben sie Tag und Nacht draußen. Der Fahrplan verteilt diese Steigerung gleichmäßig auf die Tage bis zu deinem Pflanztag und setzt für jede Kultur ihre Nachttemperatur ein.
Häufige Fragen zum Abhärten
Wie lange muss ich Tomaten abhärten?
Rechne mit ein bis zwei Wochen, von der warmen Fensterbank eher zwei. Im Frühbeet reichen zehn Tage. Ins Beet kommen Tomaten ab Mitte Mai.
Wie härte ich Pflanzen richtig ab?
Stell sie an einem bedeckten Tag für ein paar Stunden an einen schattigen, windgeschützten Platz und hol sie abends wieder rein. Verlängere die Zeit draußen jeden Tag und gib mehr Sonne dazu, bis sie den ganzen Tag in der vollen Sonne stehen.
Ab welcher Temperatur dürfen Tomaten nachts draußen bleiben?
Ab etwa 10 °C. Fällt die Nacht unter 4 bis 7 °C, holst du sie auf jeden Fall rein, Frost vertragen sie nicht.
Was hilft bei Sonnenbrand an Tomaten-Jungpflanzen?
Stell die Pflanzen zurück in den Schatten und härte sie langsamer ab. Die weißen Flecken bleiben, die Pflanze wächst mit neuen Blättern weiter. Gieß und dünge sie passend, bis neue Blätter da sind.
Muss ich gekaufte Jungpflanzen abhärten?
Ja, wenn sie aus dem Gewächshaus kommen. Unter gefiltertem Licht aufgewachsen, verbrennen sie in der vollen Sonne leicht.
Muss ich Salat und Kohl abhärten?
Ja. Sie kommen schon im März und April ins Beet, und Jungpflanzen, die vor Mitte Mai ins Freie gehen, härtest du ab. Selbst kältefeste Arten nehmen Frost übel, solange sie nicht abgehärtet sind.
Kann ich zu lange abhärten?
Ja. Zu lange abgehärtete Pflanzen stellen das Wachstum ein und brauchen im Beet länger, bis sie wieder wachsen. Blumenkohl bildet dann nur daumengroße Köpfe.
Quellen
- Koller, Martin; Fritzsche-Martin, Andreas; Lichtenhahn, Martin; van den Berge, Paul: Biogemüsebau. Anzucht und Einsatz von Jungpflanzen. Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), 2. Auflage 2001. www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/1212-gemuesejungpflanz…
- University of Maryland Extension, Home and Garden Information Center: Hardening Off Vegetable Seedlings for the Home Garden. Aktualisiert am 20. Februar 2023. extension.umd.edu/resource/hardening-vegetable-seedlings-hom…
- Crump, Wesley; Beddes, Taun; Caron, Michael; Oliveira, Milena: Starting Vegetable Seeds Indoors IV. Seedling Culture and Transplanting. Utah State University Extension, Februar 2025. extension.usu.edu/yardandgarden/research/starting-vegetable-…
- Royal Horticultural Society: Hardening off tender plants. www.rhs.org.uk/prevention-protection/hardening-off-tender-pl…
- Brust, Jerry (University of Maryland): Sunburn on Vegetable Leaves. Weekly Crop Update, University of Delaware Cooperative Extension, 20. Mai 2022. sites.udel.edu/weeklycropupdate/?p=20317
- Delahaut, K. A.; Newenhouse, A. C.: Growing tomatoes, peppers, and eggplants in Wisconsin. A guide for fresh-market growers. University of Wisconsin-Extension, Publikation A3687. barron.extension.wisc.edu/files/2023/02/Growing-Tomatoes-Pep…
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Bayerische Gartenakademie: Jungpflanzen – selbst anziehen oder kaufen? Merkblatt 2110, Stand Mai 2020. www.lwg.bayern.de/mam/cms06/gartenakademie/dateien/2110-2020…
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Bayerische Gartenakademie: Basilikum – ein königliches Kraut. Merkblatt 2151, Mai 2020. www.lwg.bayern.de/mam/cms06/gartenakademie/dateien/2151-2020…
- Lerner, B. Rosie; Dana, Michael N.: Growing Cucumbers, Melons, Squash, Pumpkins and Gourds. Purdue University Cooperative Extension Service, HO-8-W, überarbeitet 4/2001. www.purdue.edu/hla/sites/yardandgarden/wp-content/uploads/si…
- Lindner, Ulrike (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen): Rund um die Tomate. Broschüre, Kapitel Pflanzung. www.landwirtschaftskammer.de/verbraucher/service/gartenbau/t…
Stiche aus Vilmorin-Andrieux, „Les plantes potagères“, Paris 1883 und 1904. Gemeinfrei, über Wikimedia Commons und Internet Archive, auf Petrol umgefärbt.
