Naturgarten anlegen: so zieht Leben in deinen Garten
Ein Naturgarten kommt ohne Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Torf aus und lebt von Vielfalt. Ungefüllte Blüten vom Frühjahr bis in den Herbst, heimische Sträucher, eine Wiese statt Rasen und Ecken mit Laub, Steinen und Totholz geben Bienen, Vögeln, Igeln und Nützlingen Nahrung und Unterschlupf. Fang mit dem an, was in deinen Garten passt. Der Naturgarten-Check zeigt dir die nächsten Schritte.
Kein Pestizid, kein Kunstdünger, kein Torf: Gedüngt wird mit Kompost und selbst angesetzten Jauchen, gesund halten die Pflanzen robuste Sorten, guter Boden und Nützlinge.
Je bunter die Lebensräume, desto mehr Tiere: Sonne und Schatten, trocken und feucht, Blüten, Gehölze, Wiese und Wasser.
Laub, Stängel, Totholz und Steine dürfen bleiben: Sie sind Kinderstube und Winterquartier für viele Tiere.
Was hast du schon?
Tipp an, was es in deinem Garten schon gibt. Der Check zeigt, wie naturnah er ist, und schlägt dir die nächsten Schritte vor.
Am Anfang
In deinem Garten ist viel Platz für mehr Leben.
Deine nächsten Schritte
- Ohne Gift, Kunstdünger und Torf
- Dünge mit Kompost und Jauchen, kauf torffreie Erde und lass Insektenmittel weg. Mehr dazu
- Eine wilde Ecke
- Lass in einer Ecke Reisig, Totholz und Herbstlaub liegen, für Igel und andere Kleintiere. Mehr dazu
- Stängel über Winter
- Schneid Stauden erst im Frühjahr zurück, in den Stängeln überwintern Wildbienenlarven. Mehr dazu
Ohne Pestizide, Kunstdünger und Torf
Vorbeugender Pflanzenschutz hält die Pflanzen gesund: robuste, heimische und standortgerechte Arten, widerstandsfähige Sorten, schonende Bodenpflege und viele Nützlinge. Vom Frühjahr bis in den Frühsommer, wenn sich die Nützlinge vermehren, sind sie besonders empfindlich gegen Insektenmittel. Chemisch-synthetische Dünger lösen sich im Wasser und können ins Grundwasser gelangen. Im Naturgarten düngst du mit Kompost und selbst angesetzten Jauchen. Torf kommt aus zerstörten Mooren, achte deshalb auch bei gekaufter Erde auf torffreie Mischungen.
Welche Helfer gegen Blattläuse, Schnecken und Raupen arbeiten, zeigt der Artikel Nützlinge im Garten.
Kompost und Mulch

Was du dem Garten nimmst, Strauchschnitt, Mähgut und gejätete Kräuter, gibst du ihm als Kompost zurück. Locker geschichtete Kompost- und Laubhaufen sind nebenbei Unterschlupf für Blindschleichen, die gern Schnecken fressen. Wie du einen Komposthaufen anlegst, steht im Artikel Kompost anlegen.
Eine Mulchdecke auf Blumen-, Kräuter- und Gemüsebeeten hält Beikräuter zurück und den Boden gleichmäßig feucht. Laub- und Astmulch unter Sträuchern ist Winterquartier für viele Nützlinge.
Blüten für Bienen, Schmetterlinge und Nützlinge
Nur ungefüllte Blüten bieten Nektar und Pollen. In gefüllten Blüten sind die Staubblätter zu Blütenblättern umgebildet. Ringelblume, Salbei, Thymian, Lavendel und Sonnenblume gehören zu den insektenfreundlichen Pflanzen. Doldenblüten wie Dill und Petersilie und Korbblüten wie Schafgarbe und Margerite füttern Schwebfliegen, Florfliegen und Schlupfwespen.
Manche Wildbienenarten sind auf ganz bestimmte heimische Pflanzen angewiesen. Setz deshalb heimische Stauden, am besten aus regionaler Herkunft, und ergänze ihre Blütezeit mit anderen Arten. Frühblüher wie Winterlinge liefern den ersten Pollen, die blühende Altersform des Efeus ist im Herbst eine wichtige Nektar- und Pollenquelle.

Futter für Raupen
Schmetterlinge brauchen Futterpflanzen für ihre Raupen. Die heimische Brennnessel ernährt viele Tag- und Nachtfalter. In einer etwas wilderen Ecke hältst du sie in Schach, indem du die Blüten abschneidest und Ausläufer absticht. Kurzlebige Arten wie Natternkopf, Königskerze und Wilde Möhre säen sich selbst aus und blühen reich.
Aus Grün wird Bunt

Rasengräser werden vom Wind bestäubt und bieten Insekten nichts. Halte den kurzen Rasen klein, dort wo gespielt und gesessen wird, und lass den Rest zur Wiese werden. Ein mindestens 50 cm breiter Rasenstreifen an Wegen und Beeten fängt die Wiese auf, wenn sie nach Regen umkippt.
Kräuterrasen: der einfachste Weg
Hör auf, deinen Rasen zu wässern und zu düngen. Binnen weniger Jahre wandern mähverträgliche Wildkräuter wie Gänseblümchen, Schafgarbe und Weißklee ein. Ein Kräuterrasen bis 20 cm Höhe lässt sich weiter betreten und blüht für Bienen.
Blumenwiese neu anlegen
- Die alte Rasennarbe vollständig entfernen.
- Den Boden einschätzen: Auf magerem Boden passen Mischungen aus reinen Kräutern, auf nährstoffreichem Mischungen mit Gräsern nach dem Vorbild alter Heuwiesen.
- Qualitätssaatgut mit bekannten Anteilen der Arten nehmen und sehr dünn säen, meist 1 bis 3 g je m², mit Füllstoff als Streuhilfe.
- Die Samen nicht einharken, die meisten sind Lichtkeimer. Gut anwalzen, damit sie Bodenschluss bekommen. Ideal ist die Aussaat kurz vor einer längeren Regenzeit.
Mähen, ohne Tiere zu verlieren
Mäh abschnittsweise, damit immer ein Teil blüht, an kühlen, bedeckten Tagen oder morgens und abends, wenn wenige Insekten fliegen. Balkenmäher oder Sense schonen die Tiere. Lass das Schnittgut ein paar Tage liegen, damit Samen ausfallen, und recht es dann ab. Einige Partien bleiben bis zum nächsten Hochsommer stehen, als Quartier für den Winter.
Heimische Sträucher und Hecken

Bäume und Sträucher bieten vielen Tieren Unterschlupf, Brutplatz und Nahrung. Hasel und Kornelkirsche blühen schon im Februar, kurz darauf Schlehe und andere Wildpflaumen und -kirschen. Wildrosen tragen im Winter Hagebutten, die Vögel fressen, und sind zugleich Nistplatz.
Naturnahe Hecken verbinden deinen Garten mit der Landschaft ringsum. Schneide sie abschnittsweise und nur außerhalb der Brutzeit, von Anfang Oktober bis Ende Februar. Aus Gehölzschnitt baust du nach und nach eine Benjeshecke auf, in jedem Stadium ein Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleintiere. Holzzäune mit mindestens 10 cm Abstand zum Boden halten länger und lassen Igel durch.
Nistkästen und Nisthilfen für Wildbienen

Nistkasten für Höhlenbrüter
Alte Bäume mit Höhlen sind selten geworden, Nistkästen helfen Meisen, Gartenrotschwanz und anderen Höhlenbrütern.
- Material
- Trockenes, sägeraues Holz ohne Imprägnierung, innen nicht glatt gehobelt, damit die Jungen Halt finden.
- Flugloch
- 26 bis 28 mm für Blau-, Hauben-, Sumpf- und Tannenmeise, 32 bis 34 mm für Kohlmeise, Kleiber, Spatzen und Schnäpper. Ein Blechring ums Loch hält den Buntspecht ab.
- Ort
- Direkt am Stamm in etwa 2 m Höhe, das Flugloch nach Süden oder Südosten, zeitweise beschattet.
- Pflege
- Jedes Jahr im Herbst reinigen. Im April zusätzliche Kästen für späte Heimkehrer wie den Gartenrotschwanz.
Nisthilfe für Wildbienen

Viele Wildbienen leben allein und legen ihre Brut in Stängel, Ritzen und Käfergänge im Holz, andere graben im Boden.
- Holz: Laubholz wie Eiche, Buche oder Esche nehmen. Löcher von 2 bis 9 mm Durchmesser und 10 bis 15 cm Tiefe sauber quer zur Faser bohren, die Rückwand bleibt geschlossen. Bohrungen ins Stirnholz reißen leicht.
- Stängel: Markhaltige Stängel von Himbeere oder Holunder und Schilf bündeln. Abgestorbene Stängel, etwa von Sonnenblumen, über Winter stehen lassen.
- Boden: Offene, unbewachsene Stellen oder einen Sandhügel für Sandbienen und andere Erdnister.
- Ort: Warm, sonnig und vor Regen geschützt.
Trockenmauer und Lesesteinhaufen

Schichte Lesesteine aus der Umgebung, gern Kalkstein, ohne Mörtel auf. Freistehende Mauern werden von beiden Seiten besiedelt und brauchen unten eine breite Basis. Oben wachsen trockenheitsverträgliche Pflanzen wie Mauerpfeffer, den Wild- und Honigbienen gern anfliegen. In den Fugen siedeln Fetthenne und Hauswurz. Ein Lesesteinhaufen oder eine Sandschüttung in der Sonne ist Lebensraum für Zauneidechsen und Insekten.
Totholz, Reisig und die wilde Ecke

Eine wilde Ecke mit vielen Kleinstrukturen, die du nicht regelmäßig pflegst, ist Rückzugsraum für Igel und andere Kleintiere. Lass dort Reisig, Totholz und Herbstlaub liegen. Totholz an sonnigen Plätzen ist ein beliebter Nistplatz für Insekten, mürbes, feuchtes Holz im Schatten Nahrung und Baumaterial für andere. Abgestorbene Obstbäume dürfen als Torso stehen bleiben, wo es sicher ist, gern mit Efeu, Wildem Wein oder Kletterrosen. Stauden schneidest du erst im Frühjahr zurück.
Eine Wasserstelle

Ein naturnaher Kleinteich bietet vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Lehmpfützen sind Tränke und Baumaterial für Schwalben. Eine Wasserstelle in Bodennähe hilft Blindschleichen an heißen Tagen. Auch viele Insekten brauchen Wasser.
Gemüse gehört dazu
Obst, Gemüse, Beeren und Kräuter haben ihren Platz in jedem Naturgarten. Setz einheimische Blumen als bunte Tupfer zwischen das Gemüse, Doldenblüten, Korbblüten und Kräuter locken die Helfer gegen Blattläuse an. Welche Pflanzen sich nebeneinander vertragen, steht im Artikel Mischkultur und Fruchtfolge. Im Beetplaner legst du dein Beet mit Blüten und Gemüse an.
Dein Beet mit Blüten planen
Gemüse, Kräuter und Blumen nebeneinander planen.
Zum BeetplanerSaatgut-Box „Bienenbuffet“
Blühende Kräuter wie Thymian und Oregano. Kräuter in Blüte füttern viele Nützlinge.
Zur BoxNützlinge im Garten
Marienkäferlarve, Ohrwurm, Igel: wer bei dir arbeitet und wie du die Helfer erkennst.
Zum ArtikelHäufige Fragen zum Naturgarten
Was ist ein Naturgarten?
Ein Garten ohne Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Torf, mit möglichst vielfältigen Lebensräumen: Blüten, Gehölze, Wiese, Wasser, Steine und Totholz. Je vielfältiger die Lebensräume, desto artenreicher die Tierwelt.
Wie lege ich einen Naturgarten an?
Verzichte auf Gift, Kunstdünger und Torf, setz ungefüllte Blüten und heimische Sträucher, mach aus Rasen Wiese und lass Laub, Stängel, Steine und Totholz liegen. Dann folgen Nisthilfen und Wasser.
Wie lege ich eine Wildblumenwiese an?
Rasennarbe vollständig entfernen, eine zum Boden passende Mischung wählen, sehr dünn säen, meist 1 bis 3 g je m², die Samen nur anwalzen. Am besten vor einer längeren Regenzeit.
Wie hänge ich einen Nistkasten richtig auf?
Direkt am Stamm in etwa 2 m Höhe, das Flugloch nach Süden oder Südosten, zeitweise beschattet. Jedes Jahr im Herbst reinigen.
Wie baue ich eine Nisthilfe für Wildbienen?
In Laubholz wie Eiche, Buche oder Esche Löcher von 2 bis 9 mm Durchmesser und 10 bis 15 cm Tiefe quer zur Faser bohren, Rückwand geschlossen lassen und warm, sonnig und regengeschützt aufhängen.
Wann schneide ich Hecken im Naturgarten?
Abschnittsweise und außerhalb der Vogelbrutzeit, von Anfang Oktober bis Ende Februar.
Was gehört in eine wilde Ecke?
Reisig, Totholz, Herbstlaub und Kleinstrukturen, die du nicht regelmäßig pflegst. Dort finden Igel und andere Kleintiere Unterschlupf.
Passt ein Gemüsegarten in den Naturgarten?
Ja. Obst, Gemüse, Beeren und Kräuter gehören dazu, mit Blüten als Tupfer zwischen dem Gemüse für die Nützlinge.
